Bienen und Honig

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Gelée Royal

Eine Biene bei der Arbeit

Im Bienenstock geht es geordnet zu. Neben der Arbeitsteilung unterliegt auch das Fressverhalten gewissen Regeln. Bis zu ihrem dritten Larvenstadium werden Bienenmaden mit einem speziellen Futtersaft gefüttert, was zu einem erheblichen Wachstumsschub führt. Die Larven benötigen zur Entwicklung ein energiehaltiges und vor allem eiweißreiches Nahrungsmittel. Sowohl Honig als auch Pollen enthalten kaum Protein, somit könnte allein mit dieser Nahrungsquelle keine Entwicklung stattfinden. Aus diesem Grund wird die Brut mit einem Futtersaft - dem sogenannten Gelée Royal - gefüttert. Es ist ein protein- und vitaminreicher Saft, der zudem wertvolle Fettsäuren beinhaltet.

Sogenannte Ammenbienen versorgen die Bienenmaden mit dem eigens hierfür produzierten Sekret. Etwa 6 Tage nach dem Schlüpfen kann die Biene über ihre Futtersaftdrüsen (Hypopharynxdrüsen) den speziellen Saft herstellen, der als Weiselsaft, Bienenköniginsaft oder Gelée Royal bekannt ist. Ein weiterer Bestandteil wird über die Mandibeldrüse produziert:10-Hydroxy-2-decensäure und 10-Hydroxy-2-decensäure.

Drei Tage bekommen Bienenmaden Gelée Royal

Alle Larven bekommen innerhalb der ersten drei Larvenstadien diesen Saft, der aus einem Gemisch aus Wasser, Zuckermolekülen, Proteinen und Aminosäuren, Fettsäuren sowie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Parabene besteht. Männliche Larven sowie zukünftige Arbeitsbienen erhalten nach den ersten drei Lebenstagen eine andere Nahrung, dabei handelt es sich um einen vorgekauten Brei, bestehend aus Honig und Pollen.

Lediglich eine Larve bekommt weiterhin das proteinreiche Gelée Royal: Die zukünftige Bienenkönigin, die in der sogenannten Weiselzelle im Bienenstock heranwächst.

Die Königin

Sie ist die einzige Biene im Stock, die den von den Ammenbienen eigens hergestellten Futtersaft auch nach ihrer vollständigen Entwicklung erhält. Die Auswirkungen der Verköstigung mit Gelée Royal zeigen sich in der Fruchtbarkeit, der Größe und dem langen Leben der Bienenkönigin: Es ist die einzige Bienen, die in der Lage ist, Eier zu legen. Ihr Hinterleib ist deutlich länger als der ihrer Artgenossen und sie lebt mehrere Jahre.

Der Bienenkönigin mangelt es nie an Nahrung. Sie wird von einem eigenen Hofstaat innerhalb des Bienenstocks umsorgt und verköstigt. Sie verlässt nie den Bienenstock und sorgt mit ihrer Fruchtbarkeit für den Fortbestand des Bienenstockes.

Die Bienenkönigin legt während der Saison ununterbrochen Eier, was ihren hohen Proteinbedarf erklärt.

Gelée Royal für den Menschen

Für den Menschen ist Gelée Royal ebenfalls von Bedeutung. Insbesondere die beiden Fettsäuren 10-HDA Fettsäure (10-Hydroxydecansäure) und 10-H2DA (10-Hydroxy-2-decensäure) zeigen einen positiven Effekt auf die Hautalterung. Die Fettsäuren sind der Grund dafür, warum Gelée Royal von einigen Kosmetikherstellern als Bestandteil in Cremes verarbeitet wird. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff einen durch UV-Strahlen verursachten frühen Zelltod verhindern konnte. Zudem zeigte sich, dass durch UV-Strahlung angeregte Proteine daran gehindert werden konnten, die Kollagenschicht der Haut zu schädigen. In der Summe kann so erklärt werden, warum Gelée Royal einen positiven Effekt auf die Hautalterung hat.

Ein weiterer Aspekt betrifft Menschen mit trockener Haut. Die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern, erhöht sich nach der Nutzung von Gelée Royal bereits nach wenigen Tagen.

Lebensverlängernd?

Die Fettsäure 10H2DA und das Protein Royalaktin wurde im Labor genau untersucht. Insbesondere auf die Lebensspanne einer bestimmten Wurmart (C. elegans) sowie im Mausmodell zeigte sich eine Hemmung des Alterungsprozesses. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bestandteile im Gelée Royal zusammenfassend die Zellen und deren biochemischen Vorgänge so beeinflussen können, dass eine längere Lebensspanne möglich scheint.

Im Bienenstock herrscht rege Betriebsamkeit. Die Bienenkönigin steht unter enormen Stress. Bis zu 1.200 Eier legt sie während der Saison pro Tag. Da im Gelée Royal nervenberuhigende Wirkstoffe vorhanden sind, könnte die Nahrung auch hier Einfluss nehmen. Bei Laborversuchen wurde der Futtersaft im Zusammenspiel mit Nervenzellen untersucht. Es zeigte sich im Tiermodell, dass Gelée Royal antidepressiv uns stressregulierend wirkte.

Sowohl auf den Blutdruck als auf den Blutzucker scheint Gelée Royal ebenfalls eine positive Wirkung zu haben. Der Grund liegt in einigen Proteinen, die sozusagen als Angiotensin -Hemmer fungieren. zudem konnten japanische Wissenschaftler acht Peptide im Gelée Royal separieren, die ähnlich wie ein blutdrucksenkendes Medikament wirken.

Die Gewinnung

Da Gelée Royal von den Ammenbienen immer frisch produziert wird, können nur wenige Gramm der süß-säuerlich schmeckenden Substanz durch den Imker geerntet werden. Dazu setzen Imker vorgefertigte Königinnenzellen in den Bienenstock ein und entnehmen die Larven nach drei Tagen. So lässt sich der Futtersaft isolieren. In Deutschland wird das Verfahren zur Gewinnung von Gelée Royal kaum angewandt, da der Aufwand einfach zu groß ist. Zudem sorgt das Entfernen der Königin für einen erhöhten Stresspegel für das Bienenvolk, was naturnah arbeitende Imker davon abhält, Gelée Royal zu gewinnen.


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